Vapes 8 Minuten

Dampf statt Rauch: Wie schädlich sind E-Zigaretten wirklich?

Rauchen oder vapen? Beides ist gesundheitsschädigend.
Vapes liegen im Trend. Was bedeutet das für unsere Gesundheit? | Quelle: Pia Hartmann via Canva
03. Apr. 2025

Egal ob man sie als Giftstängel oder Sargnagel kennt: Jeder weiß, dass Zigaretten schlecht für die Gesundheit sind. Doch wie sieht es mit der elektrischen Variante aus? Werden Vapes und Co. von ihren meist jugendlichen Nutzenden zu sehr verharmlost?

Man hat das Gefühl, man sieht sie überall. An jedem Kiosk, an jeder Tankstelle und in der Hand von zumeist Jugendlichen: Vapes. Was damals Zigaretten waren, sind heute die kleinen bunten Plastik-Sticks, die die Menschen mit Nikotin versorgen. Vor allem in den letzten Jahren haben E-Zigaretten weltweit an Zulauf gewonnen. Seit 2019 ist deren Umsatz, laut dem Verband des eZigarettenhandels, von 16,45 Milliarden Euro stetig gestiegen und liegt inzwischen bei 24,09 Milliarden Euro. In Deutschland entwickelte sich der Umsatz seit 2021 noch rasanter und stieg innerhalb von zwei Jahren von 280 Millionen auf 800 Millionen Euro.

Was sind eigentlich Vapes?

Unter dem Begriff Vape versteht man die Einwegvariante von E-Zigaretten. Im Gegensatz zur normalen Zigarette wird darin kein Tabak verbrannt, sondern ein nikotinhaltiges Liquid verdampft. Sie enthalten außerdem meist Aromen mit ansprechenden Geschmacksrichtungen und weitere Stoffe zur Dampfbildung, wie etwa Glycerin oder Propylenglykol. Sie stehen vor allem wegen ihrer schlechten Umweltbilanz als Einwegprodukt mit Lithiumbatterie in der Kritik.

Doch wieso sind Vapes so attraktiv? Erfunden wurden sie ursprünglich, um eine weniger schädliche Alternative für Leute anzubieten, die mit dem Zigarettenrauchen aufhören möchten. Fast die Hälfte der Befragten gab bei einer Umfrage der Europäischen Kommission an, dass sie anfingen E-Zigaretten zu nutzen, um weniger oder gar keinen Tabak mehr zu rauchen. 36 Prozent sagten, sie fingen damit an, weil Dampfen harmloser wäre als Tabakrauchen. Allerdings ist es keine Überraschung, dass die Nikotinindustrie keine Produktlinie erfunden hat, nur damit sie vorübergehend genutzt wird, um dann aufgegeben zu werden. Statt mit dem Rauchen aufzuhören, rutschen nämlich viele Menschen in den sogenannten „dual use“ und rauchen dann sowohl E-Zigaretten, als auch Tabak. Laut der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA) konsumierten im Jahr 2023 83,5 Prozent der Menschen, die Vapes konsumierten, auch Tabak.

Der promovierte Suchtmediziner Anil Batra sieht das Problem aber eher darin, dass insgesamt immer mehr junge Menschen anfangen zu rauchen. „Gruppendynamik spielt beim Rauchverhalten eine große Rolle. Soziale Akzeptanz ist wichtig für viele Menschen. Insbesondere Jugendliche schließen sich gerne den Normen ihrer gleichaltrigen, akzeptierten Freunde an.“ Seiner Meinung nach sei auch die Vermarktung von E-Zigaretten Grund dafür, dass viele den „dual use“ praktizieren. „Durch diese Werbung herrscht letztlich größere Akzeptanz gegenüber dem Rauchen, was zur Umkehr des Konsumverhaltens geführt hat. Die Vape führt zur Zigarette. Nicht mehr andersherum.“ Seit dem ersten Januar 2024 gilt in Deutschland das Verbot der Tabakwerbung auch für E-Zigaretten. Während der Umsatz dieser 2023 noch bei 800 Millionen Euro lag, liegt er 2024 bisher bei 650 Millionen Euro. Inwieweit sich das Werbeverbot langfristig auswirken wird, wird sich noch zeigen.

„Soziale Akzeptanz ist wichtig für viele Menschen. Insbesondere Jugendliche schließen sich gerne den Normen ihrer gleichaltrigen, akzeptierten Freunde an.“

Anil Batra, Psychiater und Suchtmediziner

Was Vapes im Vergleich zu Zigaretten natürlich auch attraktiver macht, sind die Geschmacksrichtungen. Strawberry Kiwi, Grape Ice, Apple Peach und so weiter. Die Liste ist endlos. Abgesehen davon, dass die E-Zigaretten lecker schmecken, vermitteln sie durch die fruchtigen Bezeichnungen unterschwellig sogar den Eindruck, „gesund“ zu sein. Aus diesen Gründen sind Aromen in E-Zigaretten in einigen Ländern wie Estland, Ungarn oder Litauen verboten. Während in diesen Ländern die täglichen Zigarettenraucher teils über dem EU-Durchschnitt liegen, sind die E-Zigarettenraucher alle unterhalb des EU-Durchschnitts. Daraus könnte man schließen, dass das Aromen-Verbot in Vapes und Co. durchaus etwas bringt.

Ist Vapen weniger schädlich als Rauchen?

Hersteller von E-Zigaretten werben damit, dass ihre Produkte weniger schädlich seien als herkömmliche Zigaretten. Doch stimmt das überhaupt? Kurzgefasst: Ja, wenn man sowieso bereits herkömmliche Zigaretten raucht und die gewohnte Nikotinmenge durch das Vapen nicht erhöht. Da E-Zigaretten erst seit einem Jahrzehnt auf dem Markt sind, ist es derzeit jedoch noch nicht möglich, alle potenziellen langfristigen Auswirkungen des Konsums zu beurteilen. 

Bislang haben die Ergebnisse klinischer Studien gezeigt, dass E-Zigaretten im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten wahrscheinlich weniger schädlich sind und etwaige Nebenwirkungen deutlich milder ausfallen. Trotzdem steht fest, dass die Aerosole der sogenannten Vapes kein harmloser Wasserdampf sind und dass sich bei langfristigem Gebrauch gesundheitliche Auswirkungen auf die Atemwege ergeben können. In einem kürzlich erschienenen Bericht wurden erstmals krebserregende Stoffe im Urin von Jugendlichen nachgewiesen, die ausschließlichen E-Zigaretten nutzen. Pneumologe Dr. Stefan Andreas ist der Meinung, dass auch das Rauchen von E-Zigaretten Lungenkrebs verursachen kann.

Fest steht jedoch, dass E-Zigaretten nur weniger schädlich sind als herkömmliche Zigaretten, wenn man durch sie nicht mehr Nikotin zu sich nimmt als durch Tabakzigaretten. Von der Nikotinaufnahme her sind normale Zigaretten nämlich deutlich effizienter als die elektrische Variante.

Zu unterscheiden sind auch die verschiedenen Modelle der E-Zigarette. Es gibt nämlich ältere und neuere Modelle. Eine Studie, die von der National Library of Medicine veröffentlicht wurde, zeigt, dass die neueren Modelle einen sechs Mal höheren Nikotin-Boost als Geräte der ersten Generation der Vapes liefern. Eine höhere Nikotinkonzentration in E-Zigaretten-Liquids könnte somit die Effektivität als Ersatz für das Rauchen von herkömmlichen Zigaretten verbessern. Sprich es könnte den Konsumierenden leichter fallen, das Zigarettenrauchen mit dem Dampfen zu ersetzen.

 Infografik zur Anzahl der Zigaretten, die dem Nikotingehalt einer Einweg Vape entsprechen. Eine Vape mit 10 mg/ml Nikotin enthält 2 ml Liquid und entspricht 5,3 Zigaretten. Eine Vape mit 20 mg/ml Nikotin enthält ebenfalls 2 ml Liquid und entspricht 10,6 Zigaretten.
Anteilig wird deutlich mehr von dem Nikotin in Vapes konsumiert, als von dem in Tabakzigaretten.
Quelle: Eigene Brechnungen nach dem Nicotine & Tobacco Research Journal und The Guardian

Wie effizient eine Vape benutzt wird, kommt aber auch sehr auf die Konsumierenden an. Erfahrene E-Zigaretten-Nutzende nehmen schneller und mehr Nikotin auf als unerfahrene Nutzende. Grund dafür ist zum Beispiel, dass sie längere und tiefere Züge nehmen, was zu einer höheren Nikotinaufnahme führt. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Nikotinaufnahme durch moderne Geräte bei erfahrenen E-Zigaretten-Nutzenden vergleichbar mit der von brennbaren Tabakzigaretten sein kann.

Letztendlich sind weder herkömmliche Zigaretten noch E-Zigaretten als gesund zu betrachten. Vor allem wenn man anfängt zu rauchen, ist es kein Stück besser mit Vapes einzusteigen als mit Zigaretten. Jugendliche E-Zigaretten-Konsumierende haben wahrscheinlich ein unverhältnismäßig höheres Risiko durch den Konsum schädliche Auswirkungen auf die Atemwege zu entwickeln als erwachsene Zigarettenraucher, die auf E-Zigaretten umsteigen. Das heißt: Vapen sollte eher in Frage kommen, wenn man den eigenen Nikotinkonsum reduzieren oder langfristig sogar beenden möchte. Auf die Frage, welche der Optionen weniger schädlich ist, sagt Suchtmediziner Batra abschließend: „Bei der Schädlichkeit von Vapes und Zigaretten ist es, wie aus einem Hochhaus zu fallen. Macht es da – übertrieben gesagt - einen Unterschied, ob ich aus dem 40. oder aus dem 20. Stock falle? Das Ergebnis ist doch ähnlich.“