Männer, wir brauchen euch!
Geliebter Ehemann, Bruder, Vater oder Freund,
hat sich eine Frau schon einmal in deiner Gegenwart unwohl gefühlt und du wusstest nicht, wie du dich verhalten sollst? Es gibt viele Situationen, in denen Frauen belästigt werden. Oft bekommst du als Mann davon aber gar nichts mit. Wenn du dich bei den Frauen in deinem Umkreis umhörst, wirst du feststellen, dass vielleicht nicht jeder Mann verantwortlich ist, vermutlich aber jede Frau schon mindestens einmal belästigt wurde. Wir wollen mit dir darüber reden, wie du uns helfen kannst.
Sexuelle Belästigung fängt mit Worten an…
Was bedeutet Belästigung eigentlich für uns Frauen? Viele Momente, die dir erst einmal nicht besonders auffallen, sind für uns Frauen unangenehm. Ein lautstarker Witz im Freundeskreis über die „Schlampe“, die deinen Kumpel gerade abgewiesen hat, nachdem er sie zu einem Date drängen wollte. Für dich ist das vielleicht kurz unangenehm, aber du kannst darüber hinwegsehen. Er ist ja dein Kumpel. Wie wäre es, wenn das Mädchen deine Schwester wäre? Stell dir vor, es wäre eine gute Freundin. Niemand wird gerne „Schlampe“ genannt, und das ist nur eine von vielen sexualisierten Beleidigungen, die wir uns viel zu oft anhören müssen.
…und hört mit Taten auf.
Wer eine andere Person gegen ihren Willen in sexueller Weise körperlich berührt, macht sich strafbar, so steht es im Gesetz. Egal ob Grabscher im Club, unangenehme Umarmungen, lüsterne Blicke oder Kitzeln. Wir wollen nicht ungefragt angefasst werden. In solchen Situationen ist es deine Aufgabe, ein gewisses Feingefühl zu entwickeln. Deute ihre Körpersprache. Die Art wie sie lacht. Flirtet sie wirklich mit dir? Musst du ihr unbedingt den Arm um die Hüfte legen, um ihr im Club ins Ohr zu brüllen, dass sie gut aussieht? Musst du nicht. Auch ihre Kleidung ist keine Einladung. Frag nach, ob Interesse besteht. Das vermeidet unangenehme Situationen für uns Frauen und verschafft beiden Parteien Klarheit.
Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ) haben 58 Prozent der Frauen in Deutschland schon einmal sexuelle Belästigung erlebt. Weltweit erfährt eine von drei Frauen in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Sexuelle Belästigung und Missbrauch verursachen schwere Traumata. Wenn du tiefer in die Perspektive einer Frau eintauchen willst, empfehlen wir die Reportage: „Ich dachte, ich könnte ihm vertrauen“. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die seit zwölf Jahren mit ihrem Trauma kämpft.
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Es geht ums Bewusstsein
Aber was kannst du für uns tun? Als Erstes geht es darum, dass du ein Bewusstsein dafür entwickelst, was wir als sexuelle Belästigung empfinden und aufhörst, diese herunterzuspielen. Das große Problem ist nämlich, dass sich viele Männer untereinander decken, indem sie Taten und Worte schönreden. Ein Handschlag und das Thema ist durch. So sollte es nicht sein. Sexuelle Belästigung ist ein No-Go, auch wenn es dein bester Kumpel ist. Eine Freundschaft muss Kritik aushalten. Dieser Bro-Code, diese Loyalität, die ihr untereinander wahrt, ist sie dir wirklich so wichtig? Wichtig genug, dass du uns Frauen damit verletzt? Für uns bist du ein Mittäter, wenn du wegschaust.
Was wir uns von dir wünschen
Schützen statt Wegschauen
Als meine Freundinnen letztens auf offener Straße von einem Mann belästigt wurden, standen drei Freunde tatenlos daneben. Nachdem die Frauen sich aus der Situation gerettet haben, ärgerten die Männer sich zwar auch über die grenzüberschreitenden Worte und Berührungsversuche des Fremden, geholfen hat trotzdem keiner von ihnen. Klingt lächerlich, oder?
Sei dir deiner Stärke bewusst. Du selbst bist stark genug, um eine Frau zu verletzen. Du bist aber auch stark genug, um eine Frau zu beschützen. Das ist unabhängig von deiner Größe und deiner Figur. Es reicht schon, wenn du Hilfe holst. Trau dich, etwas zu sagen. Lass uns nicht allein. Schau nicht weg, schreite ein.
In Liebe
Eure Ehefrauen, Schwestern, Töchter und Freundinnen
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